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Wie werden Handys refurbished? Zwischen Rückgabe und Regal

Wie werden Handys refurbished? Zwischen Rückgabe und Regal

Wie werden Handys refurbished? Die ehrliche Antwort fängt damit an, dass die Frage einen Denkfehler enthält. Sie unterstellt einen Ablauf. Eine Kette von Stationen, an deren Ende ein Gerät im Regal liegt. Den gibt's so nicht. Was mit einem zurückgegebenen Smartphone passiert, hängt zuerst am Geschäftsmodell des Verkäufers und erst danach am Gerät.

Und weil wir bei Refurbito selbst nichts aufbereiten und in keiner dieser Hallen je gestanden haben, ist dieser Text keine Reportage. Er ist eine Zusammenstellung aus dem, was die Anbieter öffentlich über sich behaupten, plus zwei unabhängigen, datierten Quellen, die das gegenprüfen. Jede Zahl unten steht mit Quelle und Datum da. Wo niemand etwas sagt, steht das auch.

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Marktplatz oder Direktanbieter refurbished: der Unterschied, der alles andere bestimmt

Refurbed betreibt keine eigenen Werkstätten und refurbisht nicht selbst. Unabhängige Handelspartner aus ganz Europa listen, verkaufen und versenden die Geräte, die Plattform setzt die Mindeststandards (refurbed.de, Stand: 13.08.2026).

Bei Back Market dasselbe Bild. Die Geräte werden dort laut einer Recherche von Utopia „nicht von Back Market selbst refurbished, sondern von zertifizierten Partnern aus Deutschland und Europa“ aufbereitet, und Back Market kauft nach eigenen Angaben regelmäßig verdeckt bei diesen Händlern ein, um die Qualität zu prüfen (utopia.de, Stand: 13.08.2026).

Rebuy und asgoodasnew arbeiten anders. Beide bereiten in eigenen Anlagen auf, mit eigenen Leuten. Apple auch, nur redet Apple darüber praktisch nicht.

Warum das zählt? Weil auf einem Marktplatzangebot nirgends steht, wer dein konkretes Gerät in der Hand hatte. Zwei Angebote, dieselbe Plattform, dieselbe Zustandsstufe, dahinter zwei völlig verschiedene Werkstätten. Wie sich die drei großen Namen sonst noch unterscheiden, haben wir im Vergleich von Back Market, Refurbed und Rebuy auseinandergenommen. Wenn dir der Begriff selbst noch unscharf ist, fang lieber bei was refurbished überhaupt bedeutet an.

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Was die Anbieter über ihren Refurbishing-Prozess sagen

Die Marktplätze

Refurbed gibt an, dass Geräte „in bis zu 40 Schritten“ geprüft werden, bevor sie gelistet werden, zusammengefasst in vier Phasen: Datenbereinigung, Komponentenaustausch, äußerliche Aufbereitung, Bereitstellung (refurbed.de, Stand: 13.08.2026). Welche 40 Schritte das sind, steht dort nicht.

Back Market wirbt damit, dass erneuerte Smartphones „eine Inspektion mit bis zu 100 Prüfpunkten“ durchlaufen, und garantiert beim Akku „mindestens 85 % der ursprünglichen Kapazität“ (backmarket.de, Stand: 13.08.2026). Eine Liste dieser 100 Punkte gibt es ebenfalls nicht.

Die Direktanbieter

Rebuy beschreibt für den Ankauf: „Wir überprüfen alle Funktionen, registrieren alle Kratzer und checken dein Zubehör auf Vollständigkeit“, ausgeführt von „speziell ausgebildeten Kolleg:innen in Berlin und Poznan (Polen), die per Hand und mittels Hightech-Robotern“ arbeiten (rebuy.de, Stand: 13.08.2026). Beim Akku nennt Rebuy „mindestens 80 % Akkukapazität“, dazu 36 Monate Garantie (rebuy.de/warranty, Stand: 13.08.2026).

asgoodasnew ist der einzige Anbieter in dieser Runde, der die Software für seine refurbished Datenlöschung beim Namen nennt: „Mithilfe einer zertifizierten Software (Blancco) löschen wir jegliche Datenreste von allen Geräten“ (asgoodasnew.de, Stand: 13.08.2026). Dazu Komponententausch, polierte Displays, gereinigte Anschlüsse. Der Akku soll mindestens 80 % Restkapazität haben, unabhängig vom optischen Zustand.

Und Apple?

Apple beschreibt seinen Refurbished-Prozess auf der deutschen Seite pauschal als „vollständige Funktionsprüfung“ mit einjähriger Garantie. Konkrete Zahlen zu Akkuzustand oder Prüfschritten nennt Apple dort nicht (apple.com, Stand: 13.08.2026). Das ist deutlich dünner als bei jedem anderen der vier oben. Nicht schlechter, wohlgemerkt. Nur weniger überprüfbar.

Kurz zu den Akkuzahlen, weil sie so gern falsch gelesen werden: 85 % bei Back Market gegen 80 % bei Rebuy und asgoodasnew ist keine Messung. Es ist die Untergrenze, ab der ein Anbieter ein Gerät überhaupt listet, aus seiner eigenen Werbetexterei. Refurbed beziffert auf seiner Qualitätsseite gar nichts. Was hinter solchen Prozentzahlen steckt, steht ausführlicher in unserem Text zur Akkuqualität bei refurbished Geräten.

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Der eine Blick von außen: Berlin-Falkensee, 2022

Es gibt genau eine Quelle in dieser Recherche, die nicht aus einer Marketingabteilung stammt. Der nextpit-Reporter Antoine Engels besuchte 2022 die Rebuy-Aufbereitungsanlage in Berlin-Falkensee, rund 4.500 m² groß, und beschrieb, was er dort sah: Roboterarme legen Smartphones in Testmaschinen, „künstliche Finger“ prüfen die Reaktion des Touchscreens, Kabel wandern in Anschlüsse, dazu Foto- und Audiotests und ein Akku-Benchmark. Jedes Gerät wird 22-mal fotografiert, ein selbst entwickelter Algorithmus sucht in den Bildern nach kosmetischen Mängeln, am Ende schaut ein Techniker drüber und korrigiert (nextpit.de, 06.07.2022, Stand: 13.08.2026).

Laut derselben Reportage verarbeitete die Anlage damals rund 12.000 Geräte im Monat, und weniger als 25 % brauchten überhaupt eine Reparatur.

Das ist vier Jahre her. Ob heute noch alles genau so läuft, weiß niemand außer Rebuy, und Rebuy sagt es nicht.

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Was Stiftung Warentest 2022/2023 tatsächlich fand

Der zweite unabhängige Datenpunkt ist unangenehmer. Stiftung Warentest bestellte zwischen Oktober 2022 und Januar 2023 in neun Refurbished-Shops je fünf Smartphones, insgesamt 45 Geräte, jeweils in der niedrigsten angegebenen Zustandsstufe. Bei 9 der 45 Geräte fanden die Tester inakzeptable Mängel. Gleichzeitig waren 7 der 45 Geräte in besserem Zustand als vom Händler angegeben (test.de, 22.02.2023, Stand: 13.08.2026).

Ein Fünftel daneben, ein knappes Sechstel besser als versprochen. Beides in derselben Stichprobe. Die Einzelnoten pro Shop stehen hinter der Bezahlschranke, deshalb nennen wir sie hier nicht. Mehr zu diesem Test steht in unserer Auswertung der Stiftung-Warentest-Ergebnisse.

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„Wie neu“ beschreibt Kratzer, nicht Technik

Das hier ist der praktisch nützlichste Fund der ganzen Recherche. Jeder Anbieter, der überhaupt eine Skala veröffentlicht, definiert sie optisch. Refurbed beschreibt „Exzellent“ etwa damit, dass aus 30 cm keine sichtbaren Spuren zu erkennen sind (refurbed.de/qualitaet, Stand: 13.08.2026). Back Market beschreibt Bildschirm und Gehäuse getrennt, ebenfalls über sichtbare Makel. asgoodasnew schreibt sogar ausdrücklich, dass sich die Kategorie ausschließlich auf den optischen Zustand bezieht.

Die Technik ist kein Teil der refurbished Qualitätsprüfung. Sie ist ein Ja-oder-Nein davor, keine Note. Ein Gerät wird verkauft oder eben nicht, und die Stufe sagt dir danach nur, wie es aussieht. Was das für deinen Kauf heißt, steht bei uns in Refurbished-Qualitätsstufen erklärt.

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Was niemand sagt

Und jetzt der Teil, der beim Recherchieren am meisten hängen bleibt. Kein Anbieter veröffentlicht, was seine 40 Schritte oder seine 100 Prüfpunkte konkret sind. Keiner nennt eine Dauer für die Aufbereitung eines einzelnen Geräts. Keiner nennt eine Ausschussquote, die einzigen belastbaren Zahlen dazu stammen von einem Journalisten und von Stiftung Warentest. Vier von fünf sagen nicht, mit welcher Software deine Daten verschwinden. Und keiner verrät, ob die getauschten Bauteile original sind oder Nachbau.

Bei den Marktplätzen kommt noch eins dazu: Der Betrieb, der die Arbeit tatsächlich gemacht hat, bleibt anonym. Du kaufst eine Zustandsstufe und ein Garantieversprechen, nicht eine nachvollziehbare Werkstatt.

Ist das schlimm? Nicht unbedingt. Garantie und Rückgaberecht sind genau dafür da, dass du dem Prozess nicht blind vertrauen musst. Aber wer dir erzählt, er wisse genau, was mit deinem Handy passiert ist, hat es entweder selbst gemacht oder redet Quatsch.

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Häufig gestellte Fragen

Wie werden Handys refurbished?

Einen einheitlichen Refurbishing-Prozess gibt es nicht. Refurbed und Back Market sind Marktplätze, auf denen unabhängige Partnerhändler aufbereiten, Rebuy und asgoodasnew arbeiten in eigenen Anlagen. Gemeinsam sind vier Schritte: Daten löschen, Funktionen testen, optischen Zustand bewerten, Preis festlegen. Umfang und Tiefe der Prüfung legt jeder Anbieter selbst fest und veröffentlicht sie nur als Schlagzahl.

Ist der Refurbishing-Prozess bei allen Anbietern gleich?

Nein. Refurbed spricht auf seiner Prozessseite von bis zu 40 Schritten, Back Market von bis zu 100 Prüfpunkten, Rebuy beschreibt eine Mischung aus Handarbeit und Robotertests in Berlin und Poznan, asgoodasnew nennt App-Tests und Komponententausch. Apple beschreibt auf seiner deutschen Seite nur eine vollständige Funktionsprüfung. Vergleichbar sind diese Angaben nicht.

Werden meine Daten beim Refurbishing wirklich gelöscht?

Alle hier untersuchten Anbieter sagen, dass Geräte auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und Daten gelöscht werden. Nur asgoodasnew nennt die eingesetzte Software beim Namen und verweist auf das zertifizierte Löschprogramm Blancco. Die anderen beschreiben den Schritt allgemein. Wer ein Gerät selbst eintauscht, sollte es vorher trotzdem eigenhändig zurücksetzen und abmelden.

Wie lange dauert der Handy-Aufbereitung-Ablauf?

Das sagt kein Anbieter. Weder Refurbed noch Back Market, Rebuy, asgoodasnew oder Apple veröffentlichen eine Bearbeitungszeit pro Gerät. Die einzige öffentlich genannte Zeitangabe ist Rebuys Auszahlungsfenster von 5 bis 8 Werktagen beim Ankauf, und das beschreibt die Abwicklung für Verkäufer, nicht die Dauer der Aufbereitung eines gelisteten Geräts.

Sagt die Zustandsklasse etwas über die Technik aus?

Kaum. Jeder Anbieter, der eine Skala veröffentlicht, definiert sie über sichtbare Gebrauchsspuren. Refurbed misst aus 30 cm Abstand, Back Market beschreibt Bildschirm und Gehäuse getrennt, asgoodasnew schreibt ausdrücklich, dass sich die Kategorie nur auf den optischen Zustand bezieht. Die Funktionsfähigkeit ist eine eigene Hürde davor, kein Teil der Note.

Wie viele refurbished Handys haben tatsächlich Mängel?

Stiftung Warentest kaufte zwischen Oktober 2022 und Januar 2023 in neun Shops insgesamt 45 Smartphones. Bei 9 Geräten fanden die Tester inakzeptable Mängel, 7 Geräte waren dagegen besser als die angegebene Zustandsstufe. Eine aktuellere unabhängige Stichprobe dieser Größe gibt es für den deutschen Markt bislang nicht.

Quellen

  1. refurbed.de refurbed.de
  2. utopia.de utopia.de
  3. refurbed.de refurbed.de
  4. backmarket.de backmarket.de
  5. rebuy.de rebuy.de
  6. rebuy.de/warranty rebuy.de
  7. asgoodasnew.de asgoodasnew.de
  8. apple.com apple.com
  9. nextpit.de nextpit.de
  10. test.de test.de
  11. refurbed.de/qualitaet refurbed.de

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