Spiegellose Kamera gebraucht kaufen: Auslösungszahl und Objektiv-Kompatibilität im Check
Zwei Dinge entscheiden, ob eine gebrauchte Systemkamera ein guter Kauf ist, und keins davon siehst du am Preis. Das eine ist die Auslösungszahl, also wie oft der Verschluss schon geklickt hat. Das andere ist das Bajonett: Passt das Objektiv, das du schon besitzt oder günstig mitkaufen willst, überhaupt an dieses Gehäuse? Wer eine spiegellose Kamera gebraucht kaufen will, sollte beides klären, bevor das Geld weg ist. Genau darum geht's hier, Marke für Marke.
Kratzer, Akku, Zubehör? Steht in jeder Checkliste. Was dort fast immer fehlt, ist das Wie. Mit welchem Programm liest du die Zahl bei einer Canon aus? Warum zeigt dir eine Fujifilm sie gar nicht erst an? Und weshalb ist ein günstiges EF-M-Objektiv für ein Canon-RF-Gehäuse völlig nutzlos? Warum der Gebrauchtmarkt für Systemkameras überhaupt so gewachsen ist, steht in einem eigenen Beitrag bei uns. Hier bleibt es bei der Technik.
Was die Auslösungszahl bei einer gebrauchten Kamera aussagt und was nicht
Die Auslösungszahl, englisch Shutter Count, zählt die Auslösungen des mechanischen Verschlusses. Sie ist so etwas wie der Kilometerstand beim Gebrauchtwagen. Ein Hinweis auf Verschleiß. Kein Urteil.
Und genau da fängt der häufigste Denkfehler an. Eine hohe Zahl heißt nicht, dass die Kamera bald den Geist aufgibt. Hersteller geben für ihre Verschlüsse eine ausgelegte Lebensdauer an, und das ist ein statistischer Mittelwert, keine Garantie. Einzelne Verschlüsse fallen früher aus, andere laufen weit darüber hinaus. Dazu kommt, dass spiegellosen Kameras der Klappspiegel fehlt, der bei einer DSLR als zweites mechanisches Bauteil mitverschliss. Die Einordnung bei VideoUniversity läuft deshalb auf das hinaus, was ich auch für vernünftig halte: die Zahl immer im Verhältnis zur Kameraklasse und zur Herstellerangabe lesen, nie als feste Grenze.
Zweiter Denkfehler, der sich hartnäckig hält: „Spiegellose haben doch gar keinen mechanischen Verschluss.“ Doch, die meisten schon. Für Fotos nutzen sie standardmäßig einen mechanischen Schlitzverschluss, und nur wenn du auf den elektronischen oder lautlosen Modus umschaltest, zählt der Zähler nicht mit. Ausnahmen gibt's ganz oben im Profisegment. Die Nikon Z9 etwa hat gar keinen mechanischen Verschluss mehr. Für den typischen Gebrauchtkauf ist das aber eine Randnotiz.
Welche Auslösungszahl ist normal?
Eine Zahl ohne Vergleichswert sagt dir wenig. Eine fünfstellige Auslösungszahl klingt nach viel, bis du weißt, wofür der Verschluss ausgelegt ist. Ein paar Anker mit Quelle:
| Kamera | Ausgelegte Verschlusslebensdauer | Quelle |
|---|---|---|
| Sony A7 IV | rund 200.000 Auslösungen | apotelyt.com, abgerufen 28.09.2026 |
| Fujifilm X-T5 | rund 300.000 Auslösungen | apotelyt.com, abgerufen 28.09.2026 |
| Canon EOS R5 | keine feste Angabe, die Quellen widersprechen sich | apotelyt.com nennt 300.000 Auslösungen (abgerufen 28.09.2026), andere Übersichtsseiten einen höheren Wert |
Beide Werte bei apotelyt.com sind Zusammenstellungen von Herstellerangaben, keine eigenen Messungen. Und ein Durchschnittswert sagt nichts über dein konkretes Exemplar.
Die Canon EOS R5 zeigt ganz gut, warum du Zahlen aus dem Netz nicht einfach übernehmen solltest. apotelyt.com nennt 300.000 Auslösungen, andere Übersichtsseiten einen deutlich höheren Wert. Ein Datenblatt direkt von Canon, das den Widerspruch auflöst, lag mir beim Schreiben nicht vor. Deshalb steht hier bewusst keine feste Zahl. Wird dir eine R5 angeboten, ist die Angabe im Handbuch oder auf Canons eigener Modellseite die Quelle, die zählt.
Meine Faustregel, und mehr ist es nicht: die Auslösungszahl in einen Anteil der Herstellerangabe umrechnen. Ein kleiner Bruchteil? Dann ist der Verschluss kein Grund, die Finger von dem Angebot zu lassen. Nahe an der Angabe oder drüber? Kein K.-o.-Kriterium, aber ein gutes Argument beim Preis. Oder eben ein Grund, ein anderes Exemplar zu nehmen.
Auslösungszahl der Kamera prüfen: So geht's bei jeder Marke
Jeder Hersteller versteckt die Zahl woanders. Einen brauchbaren deutschsprachigen Überblick über die Wege pro Marke hat Bastianpeter zusammengestellt. Hier die Kurzfassung, mit einer Warnung vorweg: Auslese-Tools kommen und gehen, und keins kennt jedes Modell.
Ein Punkt gilt markenübergreifend. Viele Wege laufen über die EXIF-Daten eines Fotos, genauer über die herstellereigenen Zusatzdaten darin, die sogenannten Maker Notes. Die überleben nicht jede Bearbeitung. Ein Bild, das durch Lightroom, einen Messenger oder den Upload bei einem Kleinanzeigen-Portal gelaufen ist, taugt dafür oft nicht mehr. Du brauchst ein frisches, unbearbeitetes JPEG direkt von der Speicherkarte.
Canon: Programm statt Menü
Bei Canon ist die Lage am unübersichtlichsten. Die Zahl steht nicht im Menü, du brauchst ein Programm, das die Kamera per USB ausliest. Unter Windows ist das etwa EOSInfo, am Mac ShutterCheck. Der Haken: Nicht jedes Tool unterstützt jedes neuere EOS-Gehäuse, bei aktuellen R-Modellen ist das Glückssache. Beim Online-Kauf bist du damit praktisch auf die Angabe des Verkäufers angewiesen. Nachfragen kostet nichts.
Nikon: steht im Foto
Nikon schreibt die Auslösungszahl in die EXIF-Daten jedes Bildes. Angenehm, weil du die Kamera dafür nicht in der Hand haben musst. Ein unbearbeitetes Original-JPEG reicht, das lädst du bei einem der Online-Dienste hoch, die EXIF-Daten auslesen. Genau deshalb kannst du bei einer gebrauchten Nikon ruhig auf so einem Bild bestehen. Ein Verkäufer, der es nicht schicken will, verrät dir damit auch etwas.
Sony: EXIF oder Imaging Edge
Auch Sony zeigt die Zahl nicht im Menü. Sie steckt in den Bilddaten, und neben den üblichen EXIF-Auslesern nennen Ratgeber auch Sonys eigene Desktop-Software Imaging Edge als Weg. Wie gut das klappt, hängt von Modell und Softwarestand ab.
Ein Hinweis zur Tabelle oben: Der Wert von rund 200.000 Auslösungen gilt für die A7 IV. Für die ältere Sony Alpha 7 III, die asgoodasnew im Zustand „sehr gut“ anbietet, wäre es unsauber, ihn einfach zu übertragen. Eine belastbare Quelle zur Verschlusslebensdauer der A7 III lag mir nicht vor. Schau also ins Angebot, ob die konkrete Auslösungszahl drinsteht, und frag sonst nach.
Fujifilm: im Menü gar nicht
Fujifilm macht es dir am schwersten. Die Kamera zeigt die Auslösungszahl im Menü überhaupt nicht an. Übrig bleiben die EXIF-Daten, und bei älteren Modellen steht die Zahl dort nicht zuverlässig drin. Das ist eine echte Grenze, kein Trick, den du übersehen hast.
Heißt praktisch: Bei einer Fujifilm X-S10, die asgoodasnew im Zustand „sehr gut“ listet, bist du stärker als bei anderen Marken auf die Auskunft des Händlers angewiesen. Und auf ein Rückgaberecht, falls sich die Kamera anders zeigt als beschrieben. Ehrlich gesagt ist das für mich bei Fuji der stärkste Grund, eher beim Händler als privat zu kaufen.
Panasonic und OM System: meistens über EXIF
Bei Panasonic Lumix und OM System, also den früheren Olympus-Kameras, läuft es in der Regel ebenfalls über die Bilddaten. Die Unterstützung durch Auslese-Tools ist aber lückenhafter als bei Nikon oder Sony. Kennt ein Tool dein Modell nicht, bleibt wieder nur die Frage an den Verkäufer.
Was die Zahl nicht verrät
Die Auslösungszahl ist ein Wert unter mehreren. Staubflecken auf dem Sensor, Kratzer auf dem Sensorglas oder verbogene Kontakte am Bajonett tauchen in keiner Zahl auf. Staub siehst du am einfachsten auf einem Foto gegen eine helle, gleichmäßige Fläche bei weit geschlossener Blende. Eine Sensorreinigung behebt Staub. Kratzer nicht. Bei einem Privatkauf vor Ort lohnen sich außerdem ein Blick auf die Kontakte und ein paar Probefotos mit genau dem Objektiv, das du später nutzen willst.
Objektiv-Kompatibilität deiner Kamera: Welches Bajonett passt wohin?
Der zweite Check ist der, der beim Gebrauchtkauf am meisten Geld kosten kann. Oft hat man ja schon Objektive aus einem alten System, eine DSLR-Ausrüstung etwa, und will wissen, ob die an einem gebrauchten spiegellosen Gehäuse weiterleben. Die Antwort hat zwei Stufen. Erstens: Passt das Objektiv mechanisch, rastet es also ein, direkt oder per Adapter? Zweitens: Funktionieren dann auch Autofokus, Belichtungsmessung und Bildstabilisierung? Stufe zwei ist die, die gern vergessen wird.
| Bajonett | Beispiele für Gehäuse | Objektive aus anderen Systemen | Worauf du achten musst |
|---|---|---|---|
| Canon RF | EOS R6 Mark II, EOS R5 | EF- und EF-S-Objektive per Canon-Adapter | EF-M-Objektive lassen sich nicht adaptieren |
| Canon EF-M | EOS-M-Serie (eingestellt) | keine (Sackgasse, kein RF-Adapter) | Sackgasse, kein Weg auf RF |
| Nikon Z | Z f, Z9 | F-Objektive per FTZ/FTZ II: über 360 Objektive nutzbar, rund 90 davon mit vollem AF und AE | voller AF laut Nikon nur bei AF-S-, AF-P- und AF-I-Typen |
| Sony E | A7-Serie, A6000-Serie | A-Mount-Objektive per LA-EA-Adapter | Funktionsumfang hängt von Adapter und Objektiv ab |
| Fujifilm X | X-S10, X-T5 | keine (GFX ist eigenes Bajonett) | GFX-Objektive passen nicht, eigenes Bajonett |
| Micro Four Thirds | Lumix G, OM System, Olympus | MFT-Objektive beider Marken | volle Funktion nicht garantiert; Four Thirds ist ein anderes System |
| L-Mount | Lumix S, etwa S5IIX | keine (MFT passt nicht) | nimmt keine MFT-Objektive |
Die Canon-Angaben stammen von Fstoppers (Stand: 26.02.2026), die Nikon-Zahlen von Nikon USA, die MFT-Hinweise von Panasonic. Links und Details stehen in den Abschnitten darunter.
Canon: RF, EF und die EF-M-Sackgasse
Canon macht es dir bei der EF-Welt leicht: EF- und EF-S-Objektive aus der DSLR-Zeit laufen laut Fstoppers (Stand: 26.02.2026) mit Canons eigenem Adapter weiter an RF-Gehäusen. Die schlechte Nachricht heißt EF-M. Laut demselben Artikel lassen sich EF-M-Objektive wegen unterschiedlicher Auflagemaße und Bajonett-Geometrie nicht an RF adaptieren, und Canon hat die EOS-M-Reihe eingestellt. Wer eine günstige refurbished EOS M als Einstieg ins Canon-System sieht, kauft also eher in eine Sackgasse.
Dann die Fremdhersteller. Canon hat das RF-Bajonett lange für Dritte geschlossen gehalten. Wie PetaPixel am 22.04.2024 berichtete, öffnete Canon es dann für Sigma und Tamron, allerdings nur für APS-C-Objektive. Vollformat-Glas blieb Canon vorbehalten. Ob sich daran seitdem etwas geändert hat, siehst du am schnellsten im aktuellen Programm von Sigma und Tamron.
Für ein Vollformat-Gehäuse wie die Canon EOS R6 Mark II, bei asgoodasnew im Zustand „sehr gut“ gelistet, heißt das konkret: Günstige Vollformat-Objektive von Fremdherstellern mit RF-Anschluss waren zumindest zum Zeitpunkt dieser Meldung nicht vorgesehen. Der naheliegende Ausweg sind gebrauchte EF-Objektive am Adapter. Das gehört ins Gesamtbudget, und zwar vor dem Kauf, nicht danach.
Nikon: Z-Bajonett und FTZ-Adapter
Nikon hat den Umstieg von F auf Z vergleichsweise sauber gelöst. Nikon gibt selbst an, dass sich über 360 NIKKOR-Objektive mit F-Bajonett per FTZ- oder FTZ-II-Adapter an Z-Kameras nutzen lassen. Vollen Autofokus und Belichtungsautomatik behalten davon allerdings nur rund 90, nämlich AF-S-, AF-P- und AF-I-Typen. Andere passen zwar, verlieren aber den Autofokus.
Das ist exakt der Unterschied zwischen „passt“ und „funktioniert“. Bevor du ein altes F-Objektiv als Grund für eine Z-Kamera nimmst, lohnt ein Blick auf die Typbezeichnung auf dem Objektiv.
Gerade bei der Nikon Z f liegt der Gedanke nahe, weil die Kamera im Retro-Look daherkommt und alte Nikkore optisch gut dazu passen. asgoodasnew listet sie im Zustand „neu“. Für manuelles Fokussieren mit Altglas ist die Liste egal. Wer Autofokus erwartet, sollte sie vorher prüfen.
Sony: E-Mount und viel Auswahl
Sony öffnet sich beim E-Bajonett stark für Fremdobjektive: Sigma, Tamron und einige weitere Hersteller bauen dafür. Eine Falle gibt's trotzdem. E-Mount nutzt Sony sowohl für APS-C (die A6000-Reihe) als auch für Vollformat (die A7-Reihe), und Vollformat-Objektive tragen bei Sony die Bezeichnung FE. Ein APS-C-Objektiv passt mechanisch zwar auch an eine A7, die Kamera nutzt dann aber nur einen Bildausschnitt, und du verschenkst Auflösung.
Ältere A-Mount-Objektive aus Sonys Spiegelreflex-Zeit lassen sich per LA-EA-Adapter anschließen. Wie viel Autofokus dabei übrig bleibt, hängt von Adapter-Generation und Objektiv ab.
Fujifilm X: einfach, solange du im System bleibst
Beim X-Bajonett ist die Sache übersichtlich. Die Kameras der X-Serie mit Wechselobjektiv nutzen es alle, von der X-S10 bis zur X-T5, und auch einige Fremdhersteller bauen dafür. Verwechseln solltest du X nur nicht mit GFX, Fujifilms Mittelformat-System mit eigenem Bajonett.
Micro Four Thirds und L-Mount: ähnliche Namen, andere Welten
Micro Four Thirds (MFT) ist ein gemeinsamer Standard von Panasonic und Olympus beziehungsweise OM System. Objektive beider Marken passen an Gehäuse beider Marken. Klingt nach dem Idealfall. Ist es fast.
Panasonic weist in seiner eigenen Kompatibilitätsübersicht ausdrücklich darauf hin, dass eine gelistete Kompatibilität keine Garantie für die volle Funktion ist. Wie das konkret aussieht, hat apotelyt.com in neun Punkten gesammelt. Ein paar davon:
Die Bildstabilisierung von Gehäuse und Objektiv arbeitet über die Markengrenze hinweg nicht zusammen.
Panasonics Depth-from-Defocus-Autofokus ist mit Olympus-Objektiven langsamer.
Blendenringe an Panasonic-Leica-Objektiven funktionieren nur an Lumix-Kameras.
Und die Zoomringe drehen je nach Marke in entgegengesetzte Richtungen, was erst nervt und irgendwann Gewohnheit ist.
Zwei Namensfallen gibt's noch. „Four Thirds“ ohne „Micro“ ist das ältere Spiegelreflex-System, und laut Panasonic lassen sich MFT-Objektive an einem Four-Thirds-Gehäuse nicht verwenden. In Gebrauchtanzeigen werden beide Begriffe schon mal durcheinandergeworfen. Die zweite Falle heißt Lumix S. Panasonics Vollformat-Kameras nutzen nicht MFT, sondern das L-Bajonett, das sich Panasonic mit Leica und Sigma teilt. MFT-Objektive passen daran nicht.
Die Panasonic Lumix DC-S5IIX, bei asgoodasnew im Zustand „neu“ gelistet, ist so ein Fall: eindeutig eine Lumix, aber eben L-Mount. Deine Lumix-G-Objektive bleiben dann in der Tasche.
Spiegellose Kamera gebraucht kaufen: Refurbished oder privat?
Die beiden Checks oben bleiben im Kern immer an dir hängen. Was Refurbished von einem klassischen Gebrauchtkauf eigentlich unterscheidet, haben wir in einem eigenen Vergleich zwischen Refurbished und Gebraucht aufgeschlüsselt. Die eigentliche Frage ist, wie gut du abgesichert bist, wenn dabei etwas schiefgeht.
| Punkt | Refurbished-Händler | Privatverkauf |
|---|---|---|
| Zustand | eigene Zustandsstufe des Händlers, etwa „sehr gut“ bei asgoodasnew; was genau dahintersteht, erklärt nur die Zustandsseite des jeweiligen Händlers | Beschreibung des Verkäufers |
| Auslösungszahl | im Angebot nachsehen, sonst nachfragen | selbst auslesen oder Original-JPEG verlangen |
| Objektiv-Kompatibilität | dein Job | dein Job |
| Gewährleistung | gesetzliche Gewährleistung gegenüber dem gewerblichen Händler, eventuell plus eigene Händlergarantie | wird bei Privatverkäufen oft ausgeschlossen |
| Rückgabe | beim Online-Kauf in der Regel Widerrufsrecht | meist keine |
Was Zustandsstufen wie „sehr gut" oder „wie neu" bei Refurbished-Anbietern grundsätzlich bedeuten, erklären wir in unserem Guide zu den Refurbished-Zustandsstufen. Die Details zum konkreten Angebot liefert trotzdem nur der Händler selbst.
Was für mich beim Händlerkauf eigentlich den Ausschlag gibt, ist gar nicht die Prüfung selbst. Sondern dass du zurückgeben kannst, wenn die Kamera nicht zu deinem Objektivpark passt oder dir die Auslösungszahl nicht gefällt. Beim Privatkauf trägst du dieses Risiko allein. Und bei einer Fujifilm, bei der du die Zahl kaum selbst herausbekommst, wiegt das doppelt. Bestellst du bei einem dir unbekannten Online-Shop, lohnt sich vorher ohnehin ein Blick darauf, woran du einen unseriösen Refurbished-Shop erkennst. Bei einer teuren Systemkamera ärgert dich ein fauler Deal gleich doppelt.
Systemkamera gebraucht kaufen: worauf achten, bevor du bestellst?
Die Kurzfassung zum Abhaken:
- Modell und Bajonett notieren. Nicht nur „Lumix“, sondern Lumix G oder Lumix S.
- Die Herstellerangabe zur Verschlusslebensdauer suchen, am besten beim Hersteller selbst.
- Auslösungszahl erfragen oder ein unbearbeitetes Original-JPEG verlangen.
- Vorhandene Objektive gegen das Bajonett prüfen. Direkt, per Adapter oder gar nicht?
- Bei Adaptern klären, ob Autofokus und Belichtung erhalten bleiben. An diesem Punkt kippt so manche Rechnung.
- Sensor und Bajonett-Kontakte ansehen, soweit das geht.
- Zustandsstufe, Gewährleistung und Rückgaberecht des Anbieters nachlesen.
Angebote vergleichen statt aufs Bauchgefühl hören
Das Gute an diesen beiden Checks: Wer gebrauchte Kameras kaufen will, investiert etwas Zeit und weiß danach, ob ein günstiges Angebot wirklich günstig ist. Eine Kamera mit passendem Bajonett, deren Auslösungszahl im Verhältnis zur Herstellerangabe klein ist, beim Händler mit Rückgaberecht? Meistens die entspanntere Wahl. Meistens. Schickt dir ein Privatverkäufer das Original-JPEG und kannst du die Kamera vor Ort ausprobieren, spricht auch nichts gegen den Privatkauf.
Wenn du eine spiegellose Kamera gebraucht kaufen willst, siehst du auf Refurbito refurbished Angebote mit Zustand und Preis auf einen Blick. Die Zahl im Verschluss und das Bajonett musst du trotzdem selbst anschauen. Das nimmt dir kein Vergleichsportal ab, wir auch nicht.
Häufig gestellte Fragen
Wie prüfe ich die Auslösungszahl einer gebrauchten Kamera vor dem Kauf?
Das hängt von der Marke ab. Nikon und Sony speichern die Zahl in den EXIF-Daten, dafür reichen ein unbearbeitetes Original-JPEG und ein Online-Ausleser. Canon braucht meist ein Programm wie EOSInfo oder ShutterCheck per USB. Fujifilm zeigt die Zahl im Menü gar nicht an, bei älteren Modellen fehlt sie oft auch in den EXIF-Daten. Beim Online-Kauf bleibt häufig nur die Frage an den Verkäufer.
Welche Auslösungszahl ist beim Gebraucht-Kauf einer Systemkamera noch unbedenklich?
Eine feste Grenze gibt es nicht. Es zählt das Verhältnis zur ausgelegten Verschlusslebensdauer des Modells. apotelyt.com nennt für die Sony A7 IV rund 200.000 Auslösungen und für die Fujifilm X-T5 rund 300.000 Auslösungen. Liegt die Zahl bei einem kleinen Bruchteil davon, spricht wenig gegen die Kamera. Nahe an der Herstellerangabe ist sie ein Argument beim Preis.
Wie erkenne ich, ob ein Objektiv zu meiner Kamera passt?
Zuerst zählt das Bajonett, also Canon RF, Nikon Z, Sony E, Fujifilm X, Micro Four Thirds oder L-Mount. Passt es nicht direkt, hilft manchmal ein Adapter. Danach kommt die zweite Frage, ob Autofokus und Belichtung funktionieren. Am Nikon-FTZ-Adapter passen laut Nikon über 360 F-Objektive, vollen Autofokus behalten aber nur rund 90 davon.
Kann ich Objektive von Sigma oder Tamron an einer gebrauchten Kamera nutzen?
Bei Sony E-Mount ist die Auswahl groß. Bei Canon RF sieht es anders aus: Laut einem PetaPixel-Bericht vom 22.04.2024 hat Canon das RF-Bajonett für Sigma und Tamron nur für APS-C-Objektive geöffnet. Wer ein Vollformat-RF-Gehäuse kauft, sollte das aktuelle Angebot der Hersteller vorher prüfen oder mit EF-Objektiven am Adapter planen.
Funktionieren Olympus-Objektive an einer Panasonic-Kamera?
Ja, beide nutzen Micro Four Thirds. Gleichwertig ist das aber nicht in jedem Fall. Panasonic schreibt selbst, dass gelistete Kompatibilität keine Garantie für die volle Funktion ist. Typische Unterschiede betreffen die Zusammenarbeit der Bildstabilisierung und die Geschwindigkeit des Autofokus. An Panasonics Vollformat-Modellen mit L-Bajonett passen MFT-Objektive gar nicht.
Lohnt sich eine refurbished Systemkamera mehr als ein Privatkauf?
Das hängt davon ab, wie viel du selbst prüfen kannst. Beim gewerblichen Händler hast du gesetzliche Gewährleistung, wie lange die gilt und was genau abgedeckt ist, erklären wir in unserem Garantie-Guide, und beim Online-Kauf in der Regel ein Widerrufsrecht. Bei Privatverkäufen wird die Gewährleistung oft ausgeschlossen. Kannst du die Auslösungszahl nicht selbst auslesen, etwa bei Fujifilm, spricht viel für den Händler.
Quellen
- VideoUniversity videouniversity.com
- Nikon Z9 en.wikipedia.org
- apotelyt.com apotelyt.com
- apotelyt.com apotelyt.com
- apotelyt.com apotelyt.com
- Bastianpeter bastianpeter.com
- Fstoppers fstoppers.com
- PetaPixel petapixel.com
- Nikon nikonusa.com
- Panasonic av.jpn.support.panasonic.com
- apotelyt.com apotelyt.com
- Panasonic av.jpn.support.panasonic.com