Elektroschrott entsorgen – das klingt nach Stress: Wertstoffhof, Samstag morgen, ewig Schlange stehen. 199,3 Millionen alte Handys liegen in deutschen Schubladen, dabei könntest du dein altes Handy noch verkaufen, statt es einfach wegzuwerfen. Die elektrische Zahnbürste im Badschrank funktioniert seit zwei Jahren nicht mehr. Und der kaputte Föhn wandert irgendwann doch in den Restmüll, weil der Wertstoffhof samstags voll ist und unter der Woche niemand Zeit hat.
Dabei gibt's seit Juli 2022 eine viel einfachere Lösung: Alte Handys abgeben und Elektroschrott entsorgen beim nächsten Einkauf im Supermarkt. Ohne Termin, ohne Umweg, einfach beim Wocheneinkauf.
Klingt nach einer guten Idee, oder? Ist es auch – wenn die Supermärkte mitspielen würden.
Elektroschrott im Supermarkt entsorgen: Das Gesetz seit 2022
Seit dem 1. Juli 2022 sind Supermärkte mit über 800 Quadratmetern Verkaufsfläche verpflichtet, kleine Elektrogeräte zurückzunehmen. Voraussetzung: Sie verkaufen mehrmals im Jahr selbst Elektronik. Das trifft auf so ziemlich jeden Aldi, Lidl, Rewe, Edeka oder Netto zu. Elektroschrott entsorgen soll so einfach sein wie Pfandflaschen zurückbringen.
Das Gesetz ist eigentlich kundenfreundlich gestaltet:
Du kannst ohne Neukauf kleine Geräte (bis 25 Zentimeter Kantenlänge) abgeben – kein "Kauf ein neues Handy und wir nehmen das alte" wie früher. Kostenlos, ohne Kassenbon, egal ob du das Gerät dort gekauft hast oder woanders. Maximal drei Stück pro Gerätetyp auf einmal, aber das reicht für die meisten Haushaltsentrümpelungen.
Anders gesagt: Das Gesetz macht es dir leicht, Elektroschrott zu entsorgen. Die Supermärkte machen es dir schwer.
Was unter 25 Zentimeter fällt? Handys, Rasierer, elektrische Zahnbürsten, Taschenrechner, Computermäuse, Kabel, Adapter, LED-Lampen, kleine Küchengeräte. Die Verbraucherzentrale erklärt: Selbst leuchtende Schuhsohlen oder Smart-Textilien zählen dazu. (Ja, wirklich. Falls du noch leuchtende Sneaker aus den 90ern hast.)
Die Realität: Jeder zweite Supermarkt verweigert die Annahme
Jetzt kommt der Teil, der mich wütend macht. Eine Untersuchung der Deutschen Umwelthilfe aus 2023 zeigt: An der Hälfte aller getesteten Standorte war keine Rückgabe möglich. Stell dir vor: Du stehst mit deinem kaputten Rasierer an der Information. "Tut uns leid, davon wissen wir nichts." Obwohl das Gesetz seit anderthalb Jahren existiert.
Bei zwei Dritteln gab's entweder gar keine oder unzureichende Informationen für Kunden.
Die DUH hat inzwischen zehn große Handelsketten verklagt: Aldi Nord, Aldi Süd, Lidl, Edeka, Rewe, Netto, Penny, real und dm. Bei Aldi Süd und Lidl gab's schon Urteile gegen die Händler.
Auf dem Papier klingt das super. In der Realität? Ein Trauerspiel.
Deutschland versagt beim Elektroschrott-Recycling – seit Jahren
Deutschland sammelt laut Umweltbundesamt nur 29,5 Prozent seines Elektroschrotts richtig ein. Das EU-Ziel liegt bei 65 Prozent. Wir verfehlen es seit Jahren. Wenn du also versuchst, deinen Elektroschrott zu entsorgen und der Supermarkt macht nicht mit – du bist Teil des Problems, obwohl du alles richtig machst.
Der NABU rechnet vor: Über 140.000 Tonnen kleine Elektrogeräte landen jährlich falsch im Restmüll. Noch besser als richtiges Entsorgen: Elektroschrott von vornherein vermeiden. Das ist problematisch, weil Elektroschrott Schadstoffe enthält. Und es ist Verschwendung, die durch nachhaltige Alternativen beim Elektronikkauf vermieden werden könnte.
Planet Wissen erklärt, was in einer Tonne Handy-Schrott steckt: 240 Gramm Gold, 2,5 Kilogramm Silber, 92 Kilogramm Kupfer. Das liegt einfach so rum – während wir uns über steigende Rohstoffpreise aufregen und gleichzeitig Millionen von Handys in Schubladen horten. Die Ironie ist schmerzhaft.
So kommst du trotzdem an dein Recht
Die Supermarkt-Abgabe funktioniert nicht beim ersten Versuch? Versuch es trotzdem – aber mit Strategie.
Geh direkt zur Information. Frag nach der Elektroschrott-Rücknahme. Viele Mitarbeiter wissen nicht mal, dass sie verpflichtet sind, Elektroschrott anzunehmen. Manchmal reicht ein freundlicher Hinweis.
Falls sie ablehnen: Erwähne das ElektroG (Elektro- und Elektronikgerätegesetz). Du musst nicht aggressiv werden, aber du darfst deine Rechte kennen. Notier dir im Zweifel Namen und Datum – dann kannst du den Verstoß bei deiner Gemeindeverwaltung melden.
Plan B funktioniert auch. Wertstoffhöfe nehmen alles an. MediaMarkt und Saturn auch. Ist nicht ganz so bequem wie beim Wocheneinkauf, aber besser als der Restmüll.
Daten löschen nicht vergessen. Bei Handys reicht es nicht, die SIM-Karte zu entfernen. Die Bitkom-Studie zeigt: 80 Prozent denken, das genügt. Stimmt aber nicht. Bevor du alte Handys abgeben kannst, setz das Gerät auf Werkseinstellungen zurück.
Bußgelder: Elektroschrott im Hausmüll ist teuer
Wer Elektroschrott im Restmüll entsorgt, riskiert laut Bußgeldkatalog je nach Bundesland Strafen bis zu 10.000 Euro. In der Praxis wird das selten kontrolliert. Aber legal ist es nicht.
Das Fazit
Die Supermarkt-Rücknahme wäre eine geniale Lösung: Elektroschrott loswerden beim Wocheneinkauf, ohne extra zum Wertstoffhof zu fahren. Das Gesetz existiert. Die Infrastruktur theoretisch auch.
Praktisch scheitert es an Händlern, die sich nicht an die Regeln halten. An Mitarbeitern, die nicht informiert sind. An Kunden, die von der Möglichkeit gar nichts wissen.
Falls du noch nicht genau weißt, was generalüberholt bedeutet und wie sich das von gebraucht unterscheidet – wir erklären es dir.
Mein Rat: Probier es beim nächsten Einkauf. Nicht weil ich daran glaube, dass es reibungslos klappt – sondern weil jeder Versuch Druck auf die Händler macht. Je mehr Leute an der Information nach der Elektroschrott-Rücknahme fragen, desto peinlicher wird es für Supermärkte, die seit zwei Jahren ein Gesetz ignorieren.
Im besten Fall wirst du deinen alten Kram los. Im schlechtesten Fall nervst du die richtigen Leute. Beides ist ein Gewinn.
Und vielleicht überlegst du beim nächsten Handy-Kauf, ob es nicht ein generalüberholtes iPhone sein könnte. Dann landet weniger in der Schublade und mehr im Kreislauf.